Brustvergrößerung – kann sie zu einer Sucht werden?

In den bunten Blättern dieser Welt kann man sie fast jede Woche wieder finden – teilweise groteske und durch zahlreiche Schönheitsoperationen nahezu entstellte Frauen, die in einem permanenten Wunsch nach äußerlicher Veränderung und sogenannter “Selbstoptimierung” leben.

Neben einer Vielzahl an Operationen, die das Gesicht verschönern sollen, spielen auch die Brustvergrößerungen bei diesen extremen Verwandlungen oftmals eine wichtige Rolle. Die weibliche Brust, als primäres und sichtbares Sexualmerkmal der Frau, wird durch extreme Brutvergrößerungen zu einem dominierenden Attribut der Person und oftmals werden diese Frauen nur noch über ihre auffallend großen Brüste wahrgenommen.

Besonders tragisch hat sich der Fall der jungen Pornodarstellerin “Sexy Cora” entwickelt, die im Jahre 2011 nach ihrer fünften Brustvergrößerung in ein Koma fiel und verstarb.

Ärzte der plastischen Chirurgie stellen fest, dass der durchaus noch gesunde Wunsch, etwas an sich körperlich verändern zu wollen und das Abgleiten in eine Sucht ein fließender Prozess sein können. Nach zufriedenstellenden Resultaten einer ersten Korrektur kann sich der Wunsch nach weiterer Optimierung verselbstständigen. Die betreffenden Frauen finden immer neue vermeintliche Mängel, von deren Beseitigung sie sich ein besseres Lebensgefühl versprechen. Die Korrekturwünsche sind für Außenstehende oft nicht mehr nachvollziehbar und sind für Ärzte dann oftmals nur noch mit einem gestörten Körpergefühl erklärbar. Oftmals handelt es sich auch um Frauen, die sich ausschließlich über ihre Äußerlichkeit definieren und von ihrem Körper ganz konkrete Vorstellungen haben in Bezug auf ihre “Schönheit”.

Extreme Brustvergrößerungen ziehen nicht nur eine starke optische Veränderung der Person nach sich, sie sind in den Extremfällen auch medizinisch bedenklich und können ernsthafte Gesundheitsprobleme mit sich bringen. Viele Schönheitschirurgen bestätigen, dass sich Frauen, die sich extreme Brustvergrößerungen wünschen, oft in reichen Subkulturen zuhause sind und meist von einem Mann auch finanziell abhängig sind, für den sie besonders mit ihren sexuellen Reizen dauerhaft attraktiv bleiben wollen. Meist bezahlen diese Männer die kostspieligen Operationen, da sie sich einerseits selbst an der Verwandlung erfreuen, andererseits aber auch eine Frau an ihrer Seite präsentieren wollen, die mit ganz extremen sexuellen, optischen Reizen beeindruckt.

Nach Angaben von Schönheitschirurgen haben die meisten Frauen mit einem Korrekturbedürfnis recht realistische Vorstellungen von der angestrebten Optimierung und Erwarten nach der Korrektur ein besseres Lebensgefühl – aber keine neue Identität. Hier scheint auch die Grenze zwischen einem gesunden Veränderungswillen und einer verzerrenden Optimierungssucht zu verlaufen, die die eigentliche Person vollkommen in den Hintergrund treten lässt.

Psychologische Ansätze zur Erklärung des Phänomens

Alle Frauen leben mit ein paar Unzufriedenheiten über ihre Äußerlichkeit. Manche können besser und andere nicht so gut damit umgehen. Wenn jedoch der Makel oder auch vermeintliche Makel das eigene Selbstwertgefühl nachhaltig stört, die Gedanken bestimmt oder sogar negative Auswirkungen auf die Partnerschaft hat, kann sich das Unwohlsein zu einem regelrechten Selbsthass auf den eigenen Körper steigern.

Viele Frauen sehen in solch einer Situation die Lösung ihrer Probleme in einer kosmetischen Korrektur. Dies ist heutzutage durchaus gesellschaftsfähig und mit den nötigen finanziellen Mitteln steht einer Schönheitsoperation heute nichts mehr im Wege.

Leider ist eine kosmetische Korrektur oft nicht die einfache Lösung des Problems und sie überdeckt meist die tatsächlichen Ursachen für den gewachsenen Selbsthass. Wir leben ganz sicherlich in einer Zeit, die den Äußerlichkeiten eine immense Bedeutung beimisst. Dem können wir uns sicher nicht ganz entziehen. Die absolute Macht der Äußerlichkeit ist jedoch auch eine ungesunde Entwicklung in einer Gesellschaft, die heute das Versprechen von Reichtum und Glück nur noch für schöne Menschen reserviert hat.

Oftmals drücken die angeblich so hässlichen und nicht mehr erträglichen Körperdefizite in Wahrheit ein psychisches Problem aus und eine kosmetische Korrektur kann hier auch – wenn überhaupt – nur kurzfristig Erleichterung und Wohlbefinden verschaffen. Oft hilft das verbesserte Aussehen nur kurzfristig zu einem besseren Lebensgefühl und das darunterliegende psychische Problem bleibt unbehandelt.

Oftmals stellen sich durch die kosmetischen Eingriffe im Nachgang auch neue Probleme mit dem Körpergefühl ein. Gerade bei Brustvergrößerungen kann es im Nachgang der Operation zu Fremdkörpergefühlen kommen. Es kann mitunter lange dauern, bis sich diese Fremdkörpergefühle nivellieren, in manchen Fällen bleiben sie auch dauerhaft. Diese Patientinnen berichten oftmals darüber, dass ihnen ihr Körper fremd geworden ist und oftmals erinnern auch starke Narbenbildungen dauerhaft an den gewaltigen Eingriff in den Körper.

Aber auch für zufriedene Patientinnen, die nach einer geglückten Operation bald an eine weitere Optimierung ihres Körpers denken, ist diese Entwicklung sehr bedenklich. Wenn mit einer vermeintlich perfekten Äußerlichkeit, die fortlaufend optimiert werden muss, alle noch vorhandenen Selbstzweifel aus dem Weg geräumt werden sollen, sind meist die Erwartungen an das Leben nach der wundersamen Verwandlung sehr hoch. Wer aus der körperlichen Optimierung heraus den Anspruch erhebt, nun endlich viele nette, neue Freunde zu finden oder die eingeschlafene Beziehung zum Partner dauerhaft neu beleben zu können, wird sicher enttäuscht werden.

Erfüllen sich die falschen Erwartungen durch die äußerliche Veränderung nicht, sind die ursprünglichen Selbstzweifel schnell wieder zurück. Das fehlende Selbstbewusstsein kann eben nicht durch kosmetische Korrekturen geheilt werden, sondern kann nur durch einen inneren Prozess entstehen. Es ist somit sehr schwer, die Grenze zwischen einer sinnvollen und das Lebensgefühl verbessernden kosmetischen Korrektur und einem krankhaften äußerlichen Optimierungsbedürfnis zu ziehen. Jedoch ist ein fortlaufendes Bedürfnis nach körperlicher Veränderung sicherlich ein sehr ungesundes Anzeichen, das seinen tieferen Ursprung wohl eher in der Psyche findet.

This entry was posted in Brust-OP. Bookmark the permalink. Both comments and trackbacks are currently closed.